Vogelgrippe – Stallpflicht – eine ungewisse Zukunft und unsere Konsequenz!


Liebe Besucher,

 

meine Zuchtphilosophie basierte immer auf sehr viel Herzblut, und so war mir auch stets daran gelegen, möglichst kein Tier schlachten zu müssen. Für meine Einstellung wurde ich in der Züchter-Szene anfangs des Öfteren belächelt.  

 

„Wer züchten will, muss schlachten können!“ Wie oft ich diese schulmeisterliche Belehrung von den „alten Hasen“ der Züchterschaft zu Gehör bekam, vermag ich nicht mehr nachzuvollziehen und es ist mir ehrlich gesagt auch egal. Letztendlich muss jeder im Leben für sich seinen eigenen Weg gehen, von dem er meint, dass es der Richtige ist und auch den Mut aufbringen dieses stets gradlinig aber auch vorausschauend zu tun.

 

Das habe ich all die Jahre mit der Unterstützung meines Mannes getan. Es war ein arbeitsintensiver Weg, aber meine Zuchtphilosophie ging auf, das Interesse an unseren Junggänsen war groß. Jene Tiere, die bis zum Weihnachtsfest noch kein neues Zuhause in Aussicht hatten, fanden Anfang des kommenden Jahres eines bei Gänse liebenden Menschen.

 

Das lag natürlich zum Ersten an den vielen Ausstellungserfolgen, die unsere Gänse alljährlich errangen.

 

Zweitens haben wir interessierten Züchtern gute Zuchttiere abgegeben, was sich in der Szene herumspricht.

 

Drittens – und das war für Liebhaber ohne Ausstellungsambitionen ein wichtiges Kriterium, unsere Jungtiere sind von zahmer und menschenbezogener Natur.

 

Viele Gänsehalter pflegen bis heute den Kontakt, sind glücklich mit ihren Tieren aus unserer Zucht und können bei deren Nachzucht erfreulicherweise auch gute bis sehr gute Ausstellungserfolge verzeichnen.  Solche Feedbacks machen uns glücklich und auch stolz!

 

Wer immer in der „ersten Liga“ spielen möchte, muss kontinuierlich Einsatz erbringen. Auf die Tierzucht gemünzt bedeutet das, immer da sein, 365 Tage, Jahr für Jahr. Wir tun es gerne – zudem Gänsehaltung, - und Zucht auch fit hält.

 

Im vergangenen Jahr haben wir uns erstmals eine kleine Auszeit genommen, sind für fünf Tage an die Ostsee gefahren. Mein Sohn ist angereist und hat die Tiere betreut – alles lief prima!

 

Für 2017 hatten wir wieder euphorisch Gänsenachwuchs eingeplant. Doch dann kam, was wir 2006 schon einmal durchgemacht haben, die Vogelgrippe und mit ihr eine Stallpflichtverordnung, flächendeckend für ganz Hessen.

Dreieinhalb Monate durften unsere Tiere nicht auf die Weide und in ihr hierauf angelegtes Badebecken. Dank der Einsicht des Veterinäramtes wurde unsere beantragte Ausnahmegenehmigung bewilligt, sodass die Gänse auf den befestigten Flächen vor den Stallungen wenigstens etwas vor die Stalltür durften. Hierfür mussten wir aber erst die geforderten Voraussetzungen schaffen, das heißt, auf den Flächen mittels einer Holzkonstruktion und Vogelschutznetzen Volieren errichten. Erfreulicherweise hatten wir vom Vogelgrippespektakel 2006, an den kleineren Ställen feste Volieren, aber an den vier großen, neueren Gebäuden hieß es nun auf die Schnelle Volieren bauen. Bei Eis und Schnee haben wir beide gewerkelt, unseren Tieren zuliebe.

Doch alles geht nur eine gewisse Zeit lang gut, Gänse sind Weidetiere, die man nicht über Wochen einsperren kann. So äußerten die Langhälse alsbald ihren Unmut, das Aggressionspotenzial unter den freiheitsliebenden Vögeln steigerte sich wöchentlich.  So bedeutete die Stallpflicht auch für uns eine sehr arbeitsintensive Zeit. 

Gottlob haben die Gänse (bis auf eine Verletzung, welche die Amputation einer Fußzehe zur Folge hatte) alles gut überstanden, anderswo spielten sich in zu kleinen Stallungen oftmals wahre Dramen ab.

 

Ich bekam unzählige Mails von Hilfe suchenden Gänsehaltern, einige davon wollten mir ihre Gänse sogar umständehalber schenken oder baten mich, Ausschau nach einem neuen Heim zu halten. Ich helfe gerne, wenn ich kann, aber angesichts der Postfluten, stieß ich wahrlich an meine Grenzen, denn in jedem Hilferuf spiegelte sich unweigerlich ein tierisches Schicksal. Traurigerweise ist festzustellen, dass einige Züchter die Groß, - und Wassergeflügelzucht aufgegeben haben, fortan Zwerghühner züchten, weil man die zur Not in einer Voliere halten kann.

Auch wir haben uns zukünftig gegen Gänsekinder entschieden!

 

Auf dem Gänsehof Bohn ist mit dem neuen Jahr eine neue Zeit angebrochen, welche uns vor eine Alternative gestellt hat. Entweder weiter machen wie bisher, Gänse nachziehen, ausstellen, Erfolge einheimsen und in Kauf nehmen, dass wegen ungenügender Nachfrage eventuell Tiere an Weihnachten geschlachtet werden müssen, oder einen klaren Schnitt machen, nichts nachziehen und dadurch Konflikte von vornherein verhindern. Ich habe mich für Letzteres entschieden! Es war keine einfache Entscheidung aber eine vernünftige, zumal unsere Zuchttiere größtenteils auch schon reiferen Semesters sind. Wir werden uns zukünftig, an unserer gefiederten „Stammbesatzung“, bestehend aus 22 Pommerngänsen, zwei Zwergblessgänsen, vier Kanadagänsen, vier Sachsenenten und 12 Zwerghühnern erfreuen, sind dankbar, dass wir mit ihnen viele erfolgreiche Jahre erleben durften und hoffen, dass sie uns alle noch lange erhalten bleiben.

 

Vielen Dank für Ihre Treue und Ihr Interesse an den Gänsen.

 

Roland Bohn und Marion Bohn-Förder

 



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